Veröffentlicht am So., 29. Mär. 2020 12:00 Uhr

Zwei Wochen sind es noch bis Ostern. Noch zwei Wochen Fastenzeit…    

„Sieben Wochen ohne“ heißt die Fastenaktion der Evangelischen Kirche. In diesem Jahr hatte sie das Motto „7 Wochen ohne Pessimismus“. Und nun haben wir Tage und Wochen ohne Umarmungen und Händereichen, ohne Schule und Fußball, ohne Theater und Konzert. Ohne öffentliches Leben, ohne uns sonntags zum Gottesdienst in unseren Kirchen versammeln zu können. Zwangspause. 

Der Predigttext zum Sonntag Judika steht im Hebräerbrief: „Darum hat auch Jesus, damit er das Volk heilige durch sein eigenes Blut, gelitten draußen vor dem Tor. So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen. Denn wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir.“ (Hebräer 13,12-14) 

In anderen Zeiten hätten sich meine Gedanken wahrscheinlich bei ganz anderen Worten dieses kurzen Textes festgemacht: bei der Vorstellung der Heiligung durch das Opferblut sicherlich. Ein ganz archaisches, wuchtiges Bild. Das hätte viel Stoff zum Nachdenken gegeben. Doch heute ist alles anders. Die Gegenwart ist mir wuchtig genug.

In diesen Zeiten bleibt mir beim Lesen ein ganz alltägliches Wort im Ohr: „draußen“. „Draußen vor dem Tor…“ „Draußen“ – das ist im Moment ein Sehnsuchtswort. Draußen scheint schon die ganze Woche die Sonne. Da beginnt gerade der Frühling zu leuchten. „Draußen“ könnte man in normalen Zeiten Freunde treffen, Großeltern besuchen, im Park picknicken, Fußballspielen, „Ausgehen“. Zum Gottesdienst gehen. Aber wir müssen drinnen bleiben. 

„So lasst uns nun zu ihm hinausgehen vor das Lager und seine Schmach tragen.“ 

Nach draußen gehen… Der Aufruf des Hebräerbriefes klingt fast provozierend in Zeiten der Ausgangssperren. Ich würde ja gerne rausgehen. Gemeinschaft haben, Anteil nehmen, tragen und trösten. Würde gerne gerade in so beängstigenden Zeiten mit Familie und Freunden, mit den Menschen aus meiner Gemeinde beisammen sein. Aber ich höre und akzeptiere, dass wir einander am besten helfen, indem wir uns voneinander fernhalten.

Dann werden wir wohl neue Wege finden müssen, wie wir verbunden bleiben, auch wenn wir getrennt sind. Früher hat man sich Briefe geschrieben. Lange Telefonate geführt.  Vielleicht müssen wir dahin zurückkehren, uns wieder darin üben. Oder ganz verwegene Dinge lernen: Skypen oder Videokonferenzen mit Freunden und Enkeln. Und uns so Aufmerksamkeit schenken. Uns gegenseitig dadurch trösten. 

Noch zwei Wochen Fastenzeit. Vielleicht noch ein bisschen länger. Es ist eine Ausnahmezeit. Sie wird vorübergehen. Dann gehen wir wieder nach draußen. Zusammen. Dann kommen wir uns wieder näher, dann geben wir uns wieder die Hand und umarmen uns wieder. Und feiern Gottesdienst miteinander.  

Bis dahin behüte Sie Gott!  

Ihre Pfarrerin Sabine Lettow

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Kategorien Kirchenjahr