Veröffentlicht am Di., 5. Jan. 2021 00:14 Uhr

„Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“ Die Jahreslosung für 2021 steht im Lukasevangelium 6,36

2020 ist jetzt vorbei – Gott sei Dank, werden viele sagen. Dass wir am Anfang des vergangenen, verrückten Jahres 2020 allesamt noch nie von „Covid19“ gehört hatten ist kaum zu glauben. Und wir alle wissen, dass uns das Virus in 2021 noch lange nicht loslassen wird.

Ein bemerkenswerter Satz, der am Anfang der Corona-Zeit fiel, stammt von unserem Gesundheitsminister: „Wir werden uns in ein paar Monaten wahrscheinlich viel zu verzeihen haben.“

Dieser Satz ist wahr. Er stimmt immer, aber jetzt ganz besonders.

Aber leider ist das überhaupt nicht selbstverständlich: Einander verzeihen. Gerade jetzt ist es die große Ausnahme, wenn Menschen einander verzeihen. Es herrscht so viel Gereiztheit. So viele Menschen, deren Nerven angespannt sind. So viele Menschen, deren Gedanken sich im Kreise drehen, weil sonst in ihrem Leben alles zum Stillstand gekommen ist. So viele Sorgen, die Menschen mürbe machen und bereit, an einfache Erklärungen und an Sündenböcke zu glauben.

Nach einem Dreivierteljahr „Corona“ ist wenig übriggeblieben von Solidarität, Balkonsingen und Applaus für die Helden des Alltags. Stattdessen ist da so viel Rechthaberei. Und Unbarmherzigkeit.

Und da kommt die Jahreslosung 2021 - wie ein Stoppschild gegen alle Rechthaberei und Unbarmherzigkeit: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist.“ Und Jesus sagt noch mehr: „Richtet nicht!“

Wie wäre denn das. Wenn wir streiten würden, aber nicht verurteilen. Wenn wir Argumente austauschen würden, aber einander nicht niedermachen. Wenn wir Fehler bei anderen Menschen zuließen und uns die eigenen Fehler auch eingestehen würden.

„Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist“ – das stellt unsere eigene Barmherzigkeit in einen großen Horizont: Wir alle haben Gottes Barmherzigkeit und Liebe erfahren. Wir haben schon längst geschenkt bekommen, was wir nur weiterreichen müssen: Nicht mit der Lupe nach den Fehlern eines Menschen suchen. Sondern ihn liebevoll anschauen. Auch die Fehler. Auch die Brüche.

Bei allem, was uns 2021 erwartet, brauchen wir nötiger als alles andere Heilung. Mediziner und Pharmakologen arbeiten daran, Covid19 heilbar zu machen. Und wir alle müssen mit Herz und Barmherzigkeit all die anderen Verletzungen heilen, die 2020 uns zugefügt hat. Bei Menschen, die über Wochen komplett isoliert gelebt haben. Bei Familien, die an ihre Grenzen geführt wurden während des Lockdowns. Aus ganzem Herzen: „Seid barmherzig“, mit euch selbst, miteinander, mit den Menschen, die Entscheidungen treffen und dazu stehen müssen.

Lasst uns alle viel von unserem Herz zeigen im Jahr 2021, auch wenn wir uns dabei verwundbar oder angreifbar machen – das ist alles, was wir der Rechthaberei und Unbarmherzigkeit unserer Tage entgegensetzen können, mit Gottes Hilfe.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes neues Jahr 2021.

Ihre Pfarrerin Ute Sauerbrey

(Grafik: Lotz | Gemeindebrief.de)

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