Veröffentlicht am So., 19. Sep. 2021 21:46 Uhr

Der Wittenauer Maler Max Grunwald (1889 - 1960) kannte die Kirchengemeinde Waidmannslust gut. Er war ein Familienfreund des ersten Waidmannsluster Pfarrers Herbrechtsmeier und ging im  Pfarrhaus praktisch ein und aus. Seine Tochter Christiane berichtet von „schönen Spieleabenden“ bei Herbrechtsmeiers. Wurde Doppelkopf gespielt oder Skat? Aktenkundig ist, dass der junge Max im Alter von 24 Jahren den Auftrag für die Flügel des Altarretabels der Königin­-Luise-­Kirche erhielt. Er schuf Bildnisse von Moses, Elias, Paulus und Martin Luther, die von 1913 bis zum Umbau in den frühen 1960­er Jahren den Altarraum prägten. 

Die Freundschaft zu den Kindern Herbrechtsmeiers hielt lebenslang. Die Familie kennt bis heute ein Gemälde Grunwalds, das Erika Herbrechtsmeier mit Familie am Wohnzimmertisch zeigt. Sie und ihr Ehemann waren aktiv in der Bekennenden Kirche tätig, genau wie die Grunwalds. Weil Christiane Grunwald im „deutsch­christlich“ ausgerichteten Wit­tenau nicht konfirmiert werden durfte, ermöglichte es Waidmannslust, 1938 die Konfir­mation in der Königin-Luise-Kirche zu feiern. 

In jungen Jahren lebten die Grunwalds fast großbürgerlich. Ihre repräsentative Wohnung  zeugt davon. Öffentliche Aufträge für Wandbilder, seine Industriemalerei, dazu Porträts gutgestellter Gönner sicherten ein stattliches Einkommen. Zu seinen kirchlichen Auf­trägen gehörte die Anfertigung eines Wandbildes in der Dorfkirche Alt-Wittenau (1928). Grunwalds Atelier befand sich an der Wittenauer Dorfaue in einem umgebauten Pferdestall. 

Im nationalsozialistischen Kunstbetrieb wurde er an den Rand gedrängt. Erst nach 1945 ging Grunwald wieder an die Öffentlichkeit. Einen Auftrag für den Sitzungssaal des Rathauses Reinickendorf setzte er in die Szenen „Friede, Gerechtigkeit und Freiheit“ um. Ca. 1950 schuf er zusammen mit Anneliese Beyer das Sgraffito des Christuslammes am Kirchenportal in Wittenau. 

Aber schon Superintendent Berendts (1949-1969) wusste: „Seine Arbeit nach 1945 war eine von ihm oft schmerzlich erfahrene brotlose Kunst. Wer kaufte damals schon Bilder und gab dafür sein knappes Geld aus?“ 

Der Bilderzyklus an der Orgelempore in Hamburg­-Allermöhe (1957) war sein letztes Werk. 

Irmela Orland


Weitere Informationen zur Vita des Künstlers findet man auch auf der Homepage der Galerie Waidmannslust. Dort sind auch Bilder von ihm zu sehen, die gegen Gebot verkauft werden.

(Titelfoto: Dierk Hilger, Foto unten: agw)

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